Interview mit Henrich Clewing und Andreas Konstantin auf dem LWH 2026

102. Landwirtschaftliches Hauptfest 2026
5 Fragen an Henrich Clewing, Geschäftsführer der MERLO Deutschland GmbH
Andreas Konstantin – Geschäftsführer ATG Lift GmbH:
Wir sind auf dem 102. Landwirtschaftlichen Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen, hier am Messestand der ATG Lift GmbH und MERLO Deutschland GmbH.
Heute sprechen wir nicht nur über Maschinen, sondern über die Themen, die unsere Branche aktuell bewegen.
Dazu habe ich fünf Fragen an
Henrich Clewing, Geschäftsführer der MERLO Deutschland GmbH.
1. Brauchen wir Messen noch?
Andreas Konstantin:
Herr Clewing, das Landwirtschaftliche Hauptfest ist über 200 Jahre alt. Brauchen wir solche regionalen Messen im Zeitalter von Social Media, YouTube und digitalen Produktpräsentationen überhaupt noch?
Henrich Clewing:
Die Frage ist sicherlich berechtigt – aber eigentlich beantwortet sie sich hier gerade selbst.
Der persönliche Kontakt zwischen Herstellern, Händlern und Kunden ist nach wie vor enorm wichtig. Wo kann man Kunden besser treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen als auf einer Messe?
Gerade regionale Veranstaltungen erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Und die Kombination aus Landwirtschaftlichem Hauptfest und Cannstatter Wasen macht Stuttgart natürlich zu einem ganz besonderen Treffpunkt.
2. Wie wichtig ist Kundennähe?
Andreas Konstantin:
MERLO ist international tätig. Der Kunde kauft seine Maschine aber nicht in Italien und repariert sie auch nicht per Videokonferenz. Wie wichtig sind deshalb regionale Händler und Servicepartner wie die ATG Lift GmbH?
Henrich Clewing:
Die Nähe zum Kunden ist entscheidend.
Gerade in der Landwirtschaft brauchen wir kurze Wege und schnelle Reaktionszeiten. Wenn eine Maschine ausfällt, muss sie möglichst schnell wieder in den Einsatz.
Deshalb brauchen wir die optimale Kombination aus Kompetenz und geografischer Nähe – und damit einen leistungsfähigen Handel und Service direkt vor Ort.
3. Krise oder nur eine Verschiebung?
Andreas Konstantin:
Die Investitionsbereitschaft ist derzeit zurückhaltend. Gleichzeitig steigen die technischen Anforderungen. Was beschäftigt Sie aktuell mehr – die Zurückhaltung der Kunden oder der technologische Wandel?
Henrich Clewing:
Die aktuelle Zurückhaltung ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Kostendruck, teilweise schwierige Preise für Agrarprodukte und klimabedingte Ernteausfälle belasten die Branche.
Ich sehe das aber eher als temporäre Verschiebung. Wenn eine Neuinvestition heute nicht möglich ist, wird häufig zunächst repariert. Die Investition wird damit nicht unbedingt gestrichen, sondern lediglich nach hinten verschoben.
Parallel verändert sich die Technologie enorm. Digitalisierung, Diagnostik und Vernetzung werden immer wichtiger.
Wir sehen uns bei MERLO gerade mit der neuen Modellreihe technologisch sehr gut aufgestellt, um diese Anforderungen zu erfüllen.
4. Wird der Teleskoplader zum Computer auf Rädern?
Andreas Konstantin:
Früher musste eine Maschine vor allem stark, zuverlässig und langlebig sein. Heute soll sie Daten liefern, kommunizieren und möglichst vorausschauend gewartet werden. Wird der Teleskoplader irgendwann zum Computer auf Rädern?
Henrich Clewing:
Die Landwirtschaft ist technologisch schon seit Jahrzehnten sehr weit vorne. Precision Farming und autonome Systeme zeigen, wohin die Entwicklung geht.
Auch beim Teleskoplader wird die Vernetzung immer wichtiger.
Ein gutes Beispiel ist MERLO Mobility. Es geht nicht nur um Geodaten und Maschinendaten, sondern vor allem um die Möglichkeit der Ferndiagnose.
Damit können wir Fehler schneller erkennen, Serviceeinsätze besser planen und im Idealfall bereits die richtigen Ersatzteile mitbringen.
Der entscheidende Vorteil für den Kunden ist deshalb ganz einfach:
weniger Stillstand und eine höhere Effizienz.
5. Wie sieht der Teleskoplader 2036 aus?
Andreas Konstantin:
Stellen wir uns vor, wir stehen 2036 wieder hier auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest. Was wird sich verändern – und was wird immer bleiben?
Henrich Clewing:
Die Technologie wird sich sicherlich weiterentwickeln – insbesondere bei den Antriebssystemen, der Digitalisierung und der Maschinenbetreuung.
Was aber bleiben wird, sind die grundlegenden Anforderungen:
Produktivität, Robustheit, Langlebigkeit und Sicherheit.
Eine Maschine muss Leistung bringen und möglichst lange wirtschaftlich eingesetzt werden können. Vielleicht sogar über einen zweiten Lebenszyklus.
Bei den Antrieben werden wir sicher noch einige Überraschungen erleben. Von außen wird eine Maschine in zehn Jahren vielleicht gar nicht völlig anders aussehen.
Im Inneren wird sich dagegen sehr viel verändern.
Die Abschlussfrage
Andreas Konstantin:
Eine letzte kurze Frage: Wird der Teleskoplader 2036 noch einen Fahrer brauchen – oder sitzt der Fahrer dann nur noch daneben?
Henrich Clewing:
Aufgrund der enormen Vielseitigkeit des Teleskopladers kann ich mir einen vollständig autonomen Einsatz aus heutiger Sicht nur schwer vorstellen.
Ob im Innen- oder Außenbereich, beim Überladen, Verladen oder auf dem Silo – die Einsatzbedingungen sind sehr unterschiedlich und erfordern viel Präzision.
Vielleicht täusche ich mich aber auch.
Andreas Konstantin:
Dann lassen wir uns überraschen.
Vielen Dank, Herr Clewing, für das Gespräch.
Und vielleicht sehen wir uns 2030 beim 103. Landwirtschaftlichen Hauptfest wieder – dann schauen wir einmal, wie viel von dieser Zukunft bereits Realität geworden ist.





